Usability im Alltag oder „Ich muss mal“

Shopware Developer Conference. In Ahaus im Tobit Gebäude.
Wir kommen nach ca. 1,5 Std. Fahrt an. Ich möchte nur schnell auf die Toilette. Das Gebäude ist sehr stylish. Metall, Ambient Music, Indoor Wasserfall… Ach, ein kleines Schild an der Decke weist den Weg zu den Örtlichkeiten.

Ich stehe in einem dunklen Flur, nur spärlich blau beleuchtet (!) vor einer dunklen Tür ohne Griff. Nichts bewegt sich. (hört sich an, wie aus einem Adventure…)

1. Frage: Wie öffnet man die Tür? Das Symbol neben der Tür, das das nette Bildchen für »Damen« zeigt, zeigt außerdem den Umriss einer Hand. Hand auflegen – Tür öffnet sich. Ok. Schritt weiter. Innen ebenso funzelig beleuchtet.

2. Frage: Kann man hier noch Licht machen? Nein, anscheinend ist das so gewollt. Dunkle Wände (schwarz!), dunkler Boden, an der Decke dezent leuchtende Kästenlampen. Links ein großer Spiegel mit Waschbecken. geradeaus eine Tür. Diese lässt sich jetzt recht normal aufdrücken. Ich gehe hindurch. Ein kleiner dunkler Raum. Hm, ne, hier sind gar keine Toiletten…

3. Frage: Hm, wo sind die Klos? Wieder zurück in den Vorraum. Hm, nee hier auch nicht, die müssen dahinter sein. Ich gehe erneut in den zweiten Raum und schaue mich um (hört sich echt an wie ein Adventure). Ah, zwei kleine weiße Markierungen kommen mir bekannt vor und tatsächlich: ich sehe die frei/besetzt Markierung an zwei Türen (dunkel) ohne Griff. Dahinter – endlich – die Toilette. Nervöses Spülen, während ich mich in dem Raum bewege.

4. Frage: Kann ich das irgendwie verhindern, dass die Spülung dauernd anspringt? Bis ich das Kämmerchen wieder verlasse hat die Spülung etwa 5 mal mehr oder weniger sinnvoll gespült. Zurück zum Waschbecken. Auf dem Spiegel die Aufschrift „Seife“. Ich drücke auf den Spiegel – nichts.

5. Frage: Wie funktioniert das hier? Nicht drücken sondern darunter – mit Lichtschranke. Das Wasser ebenso. Zum Händetrocknen sind links und rechts raumhohe Regale mit kleinen Fächern, in denen sich zusammengerollte Handtücher befinden. Hände trocknen und dann

6. Frage: Wohin mit dem gebrauchten Handtuch? Ab in den einzigen vermutlich dafür vorgesehenen Einwurf unterhalb des Waschtisches.
Was für eine Energieverschwendung. Ich bin 4 mal im Laufe des Tages Auf der Toilette –  4 Handtücher…! Gut. jetzt zurück zur Veranstaltung. Mein Blick sucht nach dem Handauflegen Symbol, das ich vom Eingang kenne.

7. Frage: Wie komm ich hier raus? Aha, ein Aufkleber auf der Tür zeigt irgendwas mit dem Fuß an… Und richtig, das was man auch versehentlich für einen Türstopper halten könnte ist ein Fußknopf. Draufgetreten – Tür öffnet sich. An sich ganz sinnvoll, ich hab mir ja grad die Hände gewaschen. Aber wieder völlig anders als beim Eintritt.

Dann war da noch der Durchblick links und rechts neben dem Spiegel (der hing von der Decke in den Raum) zu den Herren. Und dann noch die fehlende Ablagemöglichkeit (Flasche oder Kaffeebecher abstellen?) Also für Mädels und das was diese normal auch tun (Nachschminken etc.) nicht durchdacht.

So viele Fragen, so viele innere Fragezeichen bei einem Toilettenbesuch? Muss das sein?

Es hat schon seinen Sinn, dass gewisse Dinge so sind, wie sie sind und wie sie sich gut benutzen lassen.

Usability verfehlt. Ich wollte nicht nachdenken, ich wollte nur auf die Toilette. Und: Design sollte meines Erachtens genau das nicht tun – sich über die Funktion erheben und nur um des Designs willens existieren. Zumindest nicht an Stellen, wo ich die Funktion im Vordergrund sehe…

(ganz am Rande: in keinster Weise behindertengerecht! Der Rolli Fahrer kam nicht mal an die Türöffnung und die Toiletten waren zwar ebenerdig aber zu schmal. Muss sowas heute echt sein?)